„Ich gehe wieder ins Bett!“

Tilmann W., Besitzer einer 4-Zimmer-Wohnung in einem Dreifamilienhaus im Herzen von Stuttgart-Vaihingen, will seinen Besitz verkaufen und hat mir die Abwicklung des Geschäfts übertragen. Ich hatte die hübsche Altbau-Wohnung, die aktuell von einem jungen Paar bewohnt wird, während der Woche bereits mehrfach mit Interessenten besichtigt. Das klappte immer reibungslos.

 

Die Tür öffnet sich einen spaltbreit

Als ich am Samstag mit Wilhelm M., einem gestandenen Mittsechziger, vor der Wohnungstür stehe, bin ich daher ahnungslos. Ich hatte unser Kommen ja vorab per E-Mail angekündigt. Doch an diesem Morgen tut sich, als wir klingeln, zunächst gar nichts. Ich werde nervös. Aber dann öffnet sich die Tür einen spaltbreit. Ich erkenne einen verstrubbelten Kopf und leicht verquollene Augenschlitze. Augenscheinlich haben wir Claudia B. aus dem Bett geholt.

 

Besichtigung im Flüsterton

Sie bittet uns herein, gibt uns aber deutlich zu verstehen, dass sie jetzt keinesfalls aufzubleiben gedenke. Wir könnten uns ruhig umsehen. Sie für ihren Teil verschwinde jetzt wieder im Bett. Ich bin überrascht und amüsiert zugleich und führe den ebenso verdutzten Wilhelm M. flüsternd durch die Wohnung. Anschließend tippeln wir durch den Flur und verabschieden uns geräuschlos.

Die 3 Damen von Bodengut

‘nen Schnäpsle vorm Notartermin!

Einer meiner Kunden hat eine sehr schöne kleine Wohnung in praktischer City-Lage zu verkaufen. Gemeinsam warten wir vor dem Haus auf einen Interessenten. Ob er das ist? Fahrrad, Metzgerkittel, weiße Schuhe. Er kommt direkt von der Arbeit. Das muss er sein! Sein Fahrstil: kurvenreich. Und da ist es auch schon passiert. Er bremst mit vollem Körpereinsatz und landet mitsamt Fahrrad vor uns auf dem Boden.

Wir nehmen’s mit Humor, lachen gemeinsam über das Missgeschick und besichtigen die Wohnung. Es läuft wie am Schnürchen: Der Interessent ist begeistert von den Räumen, möchte sofort kaufen und stellt schnell eine passende Finanzierung auf die Beine. Jetzt fehlt nur noch der Notartermin und der Handel ist perfekt.

„Kein Alkohol am Abend zuvor“, warne ich ihn, „sonst wird’s nichts mit der Unterschrift.“ Dass alle Beteiligten „im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte“ sein müssen, steht schließlich im Vertrag.

Meine Ermahnung wirkt. Am nächsten Morgen hole ich einen stocknüchternen Käufer für den Notartermin ab. Doch es gibt ein neues Problem. Er zittert wie Espenlaub! Jetzt ist Geistesgegenwart gefragt: Ich halte am Kiosk und kaufe ihm ein Schnäpsle. Es zeigt die erhoffte Wirkung. Unser Käufer ist in Bestform und absolviert den Notartermin mit Bravour.

Die 3 Damen von Bodengut - Stand